Protokoll “Bitte Platz nehmen!” vom 17.10.2017

Vieleinigkeit oder Die Kunst Teil zu nehmen: BauReFormation Dreieinigkeitskirche
Ergebnisprotokoll + Workshop-Leitung: Regina Pemsl,
Fotos: Susanne Carl, Buffet: Kathleen Montgomery

Im Rahmen der Sanierung und Neuorientierung der Nutzungen im Innenraum der Kirche Dreieinigkeit in Nürnberg/Gostenhof wird der direkte Umgriff der Kirche in der Veit-Stoß-Anlage in die Planung einbezogen.
Um Nutzungen und Gestaltungen dieses Übergangs zwischen Kirchengebäude und dem urbanen Öffentlichen Raum gemeinsam mit der Gemeinde und den Bewohnern des Stadtteils Gostenhof zu entwickeln, sind Regina Pemsl (Künstlerin / Kuratorin) und Willi Wiesner (Kulturmanager / GOkultur e.V.) beauftragt, den Prozess über etwa eineinhalb Jahre zu begleiten und mit Impulsen zu unterstützen.
Die Vorstellungsrunde ist zugleich die erste Aufgabe: Je zwei Teilnehmer*innen stellen sich gegenseitig vor. Im Gespräch lernt man sich kennen und macht dem Gegenüber prägnant die Interessen deutlich, warum man da ist.
In der nächsten Runde wurden 5 Arbeitsgruppen gebildet, die die Themenfelder Licht, Hören, Wort, Nahrung und Natur diskutieren. Dabei konnte frei assoziiert, aber auch konkret auf das Umfeld Dreieinigkeitskirche eingegangen werden. Folgende Bilder, Ideen,
Wünsche und Anknüpfungen wurden entwickelt:

Licht
Strahl hell dunkel
er Schein en
Reflektion Schatten

– Dunkle Kirche, Kerze, Goldgrund, Stimmungslicht, mystische Atmosphäre
– Französisches Licht
– Kerzenschein, Licht am Ende des Tunnels, Goldgrund, Dunkelheit, Stimmung, Flammen, Mystik, das Licht der Welt erblicken
– Helle Kirche, offene Türen, kein Aquarium, Rückzugsort, Kirche wirkt auch durch ihr Umfeld (hell, freundlich), offener Raum
– Licht = Wärme

Wort
Fremd Sprache
Satz Bau Stein
Wort – laut leise Lesung
Theater Poesie

– Fremdsprachen hören
– „Beichtstuhl“ – immer ein Ohr für die Sorgen der Bürger
– Poetry Slam, z.B. mit Gostner Hoftheater, Vorlesestunden für alle
– Wortverkündigung – Gottesdienst
– Kurze Wortformate „Kurzgottesdienste“
– Aktuelle Stunde – Stellungnahmen
– Zuhören: Kabine für Zuhörer, in denen Bibeltexte gelesen werden, Text vom Band (vorher besprochen): Was war für dich heute wichtig?

zu Hören
Klang Raum Klang Geräusch
Musik Chor Solo
Improvisation Komposition
Instrument Stimme

– Selber Akustik „erfahren“, d.h. Percussion, Instrumente bereitstellen
– Büchertausch (Schrank oder Aktion)
– Lesungen (ohne Grenze)
– Kirche als Klangraum erhalten
– Klezmer, Jazz, Klassik, Rock, …
– Wasserorgel
– Talente in der Gemeinde aufrufen + erfassen
– Meditatives: Klang und regelmäßige Meditationen
– Musik ohne Grenzen
– Sounds anderer Religionen und Kulturen
– Konzerte innen und außen
– Audiovisuelle Installationen
– Geräuschthemenwochen

Natur
Sand Stein Pflanzen
Tier Mensch Wasser
Kreislauf Bewegung
Wetter Jahreszeiten

– Entspannung, Ruhe, Himmel, Horizont, gute Gerüche, Waldluft, Duft
– Bewegung: Kinderreichtum, Wohlleben statt Hundescheiße
– Kraut und Rüben, wilde Natur, ungestaltet, erholsam, Balsam für die Seele
– Atmen und Stille, gute Luft, Talblick mit Wein
– Essen ohne Kochen, Essen wird mitgebracht, Picknick vor/in der Kirche, Essen verbindet
– Platz für Food – sharing? „Lebensmittelreste“, übrige Nahrungsmittel verteilen oder in einem gemeinsamen Essen verwerten
– Erntedank – da wurden schon überflüssige Nahrungsmittel weitergegeben: Wem kann man das Essen weitergeben? Interkulturalität?
– Nahrung ist unverzichtbar. Nur in Gesellschaft zu genießen. Soziales Erlebnis, Gemeinschaft, Jesus und das Abendmahl
– Das Abendmahl ist „nur“ ein symbolisches Essen. Idee: An Festtagen gemeinsam essen, sich kennen lernen, feiern
– Kirche als „Kulturprojekt“ – verbindet Menschen
– Essen „lockert“- anderes Zusammensein ermöglichen
– Viel bewirken, ohne große Worte verlieren zu müssen
– Mobile „Volksküche“ (interkulturell), für innen und außen (Rampe!), Gemeinschaft stiften und Aktion an sich. Wer? Freiwillige, für Leute auf dem Platz, vielleicht auch nach Konzert
– Bekanntes Beispiel für Kirche und Essen: Vesperkirche Gustav- Adolf- Gedächtnis-K.
– Erlebnis in Kapstadt: Cafe´ in der Methodistenkirche, niederschwelliger Zugang, Offenheit der Kirche

Voraussetzung für die Verbindung von Innen und Außen auf allen Ebenen – räumlich und inhaltlich – ist ein Barriere freier Zugang zum Innenraum der Kirche.
Der Abschluss von „Bitte Platz nehmen“ findet draußen vor der Kirche statt:
Bei Getränken, Brot und Kerzenschein wird der Platz um den es geht – die Dreieinigkeitskirche und ihr Umfeld – zu ungewöhnlicher Zeit belebt.
Bitte Platz nehmen ist wörtlich zu nehmen: Eine Einladung, Anregungen auf den Sitzkissen im Kirche Kirchenraum zu verorten…